Erste Maikundgebung in Herford 2026 Maikundgebung 2026 - Artikel und Bildergalerie

Zum ersten Mai trafen wir uns zum Demonstrationsumzug und zu der Kundgebung am Rathaus in Herford

Flyer 1. Mai Kundgebung 2026


 

Stimmungsvolle Maikundgebung vor dem Rathaus Herford

Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten am 1. Mai dem Aufruf der Gewerkschaften und nahmen zunächst am Demonstrationsumzug vom Bahnhof Herford teil. Gemeinsam setzten sie ein sichtbares Zeichen für Solidarität, gerechte Arbeitsbedingungen und soziale Verantwortung.

Nach dem Umzug versammelten sich die Teilnehmenden zur zentralen Maikundgebung auf dem vorderen Rathausparkplatz. Dort wurde ihnen ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm geboten. Bei guter Musik der Band Twentyfour Deluxe entstand schnell eine lebendige und zugleich entspannte Atmosphäre.

In ihren Redebeiträgen sprachen unter anderem Hans-Ulrich Mönkemeyer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes, sowie Markus Krecht, Bevollmächtigter der IG Metall Herford, aktuelle gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Themen an. Die Redner betonten die Bedeutung von Zusammenhalt, Mitbestimmung und einer starken Interessenvertretung der Beschäftigten – Themen, die bei vielen Zuhörenden großen Anklang fanden.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz: Verschiedene Angebote und Infostände der Herforder Gewerkschaften, demokratischen Parteien und Verbände luden zum Austausch, Verweilen und Genießen ein. Besonders Familien nutzten die Gelegenheit, den Feiertag in geselliger Atmosphäre zu verbringen.

Abgerundet wurde die gelungene Veranstaltung durch fantastisches Wetter. Strahlender Sonnenschein begleitete die gesamte Kundgebung und trug maßgeblich zur positiven Stimmung bei. Insgesamt blickten Veranstalter und Teilnehmende auf eine erfolgreiche Maikundgebung zurück, die nicht nur politische Impulse setzte, sondern auch Raum für Begegnung und Gemeinschaft bot.

Rede zum 1. Mai

Der 1. Bevollmächtigte der Geschäftsstelle der IG Metall in Herford hält eine Rede zu der 1. Maikundgebung in Herford am Rathaus

Inhaltlich befasste sich Markus Krecht mit der Entstehung des 1. Mai- den Tag der Arbeit

Die Ursprünge des 1. Mai: Arbeiterkämpfe und Repression in den USA

Der Internationale Tag der Arbeit hat seinen Ursprung nicht in Europa, sondern in den Vereinigten Staaten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Arbeitsbedingungen in den schnell wachsenden Industriezentren der USA extrem hart. Arbeitstage von zwölf bis sechzehn Stunden, niedrige Löhne, fehlende Absicherung bei Krankheit oder Unfällen sowie Kinderarbeit gehörten für viele Arbeiterinnen und Arbeiter zum Alltag.

Aus dieser Situation heraus entstand eine starke Arbeiterbewegung, die vor allem eine zentrale Forderung erhob: den Achtstundentag. Am 1. Mai 1886 riefen Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen zu landesweiten Streiks und Demonstrationen auf. Hunderttausende Menschen beteiligten sich, besonders in Industriestädten wie Chicago. Die Proteste waren zunächst weitgehend friedlich, wurden von Unternehmern, Behörden und Teilen der Presse jedoch als Bedrohung wahrgenommen.

In den folgenden Tagen eskalierte die Situation. Am 4. Mai 1886 kam es auf dem Haymarket in Chicago zu einer Kundgebung, die nach dem Eingreifen der Polizei in Gewalt umschlug. Eine Bombe explodierte, mehrere Polizisten und Arbeiter wurden getötet. Bis heute ist ungeklärt, wer die Bombe warf. Die Ereignisse lieferten jedoch den Vorwand für harte Repressionen gegen die Arbeiterbewegung.

In der Folge wurden Gewerkschafter verfolgt, verhaftet und in Schauprozessen verurteilt, obwohl vielfach keine Beweise vorlagen. Mehrere führende Arbeiteraktivisten wurden zum Tode verurteilt oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Gewerkschaften galten über Jahre hinweg als „staatsfeindlich“, Streiks wurden mit Polizei, Nationalgarde oder privaten Sicherheitsdiensten gewaltsam aufgelöst. Diese Repressionen sollten die junge Arbeiterbewegung einschüchtern und zerschlagen.

International sorgten diese Ereignisse jedoch für große Solidarität. Zum Gedenken an die Opfer der Arbeiterkämpfe und als Symbol des gemeinsamen Einsatzes für soziale Rechte erklärten Arbeiterorganisationen in Europa den 1. Mai ab 1890 zum internationalen Kampftag der Arbeiterbewegung. Ironischerweise wird der 1. Mai in den USA selbst bis heute kaum als gesetzlicher Feiertag begangen.

Die ersten Maidemonstrationen stehen damit exemplarisch für den hohen Preis, den viele Menschen für grundlegende Arbeitsrechte gezahlt haben – und erinnern daran, dass Errungenschaften wie der Achtstundentag nicht selbstverständlich sind, sondern durch Mut, Organisation und oft unter großen Opfern erkämpft wurden.